Laufende Projekte

Forschungsprojekt

Musterzeichner im ästhetischen Kapitalismus

Das Projekt erschließt die Adressbücher Plauens von 1854 bis 1950 als Quelle für eine historisch-soziologische Studie zur kreativen Arbeit im ästhetischen Kapitalismus. Mithilfe von OCR und KI-gestützter Datenextraktion werden Einwohnerverzeichnisse strukturiert erfasst und Berufsangaben klassifiziert. Im Zentrum stehen die sogenannten Musterzeichner, die bis heute kaum erforschten Designer der Textilindustrie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Aufsätze

Künstlerische Produktivität in der Reformationszeit

Das Projekt knüpft an Max Webers These ›Protestantische Ethik‹ an und fragt, wie sich reformatorische Ideen tatsächlich auf das Arbeitsverständnis von Handwerkern auswirkten. Anhand von Kunstlehrbüchern gebildeter Handwerker im Nürnberg der Reformationszeit lässt sich zeigen, dass diese reformatorische Konzepte nicht isoliert übernahmen, sondern mit humanistischen Idealen und einem Ethos künstlerischer Produktivität verbanden. Die Analyse stellt damit zentrale Annahmen Webers in Frage, insbesondere seine These eines lutheranischen Traditionalismus.

Produktiver Luxus in der Frühen Neuzeit

Das Projekt verfolgt das Konzept eines produktiven Luxus anhand von Musterbüchern, die seit dem 16. Jahrhundert von Italien bis England für Frauen der Mittel- und Oberschicht publiziert wurden. In den Einleitungstexten zeigt sich, dass Frauen dazu angehalten wurden, fleißig und kreativ in ihren häuslichen Textilarbeiten zu sein. Der Luxus, der sich in der ästhetischen Veredelung von Dingen und der persönlichen Entfaltung ausdrückte, wurde so ethisch gerechtfertigt und mit besonderem Prestige versehen.